20 Jahre nach der Wende
05.07.09
Aktion Störtebeker: Die guten Seiten der DDR
Klaus Scheld veröffentlicht Thriller zum 20. Jahrestag des Mauerfalls
Zwanzig Jahre nach der Wende ist Deutschland noch immer nicht zusammengewachsen. Viele Bürger der ehemaligen DDR wollen sich mit der aus dem Westen aufgezwungenen Diskussion über den „Unrechtsstaat“ nicht ihre Lebensleistung zerstören lassen. So auch Kommissar Kurt Bratfisch, der im Regionalkrimi „Aktion Störtebeker“ auf der Insel Rügen Mörder jagt und einen Terroranschlag auf die einzige Verbindung zum Festland verhindert.
Laut einer aktuellen Emnid-Umfrage bewerten 57 Prozent der Ostdeutschen die DDR positiv, sie habe mehr gute als schlechte Seiten gehabt und man konnte dort gut leben. Kurt Bratfisch, vor der Wende Volkspolizist und SED-Mitglied, sieht das ähnlich. Zwar hatte er damals wegen seiner offenen Meinungsäußerungen wiederholt Ärger, doch im Prinzip stand er hinter diesem Staat und war von der Überlegenheit des Sozialismus überzeugt. Mit dem Untergang der DDR zerbrach auch sein Weltbild.
Was danach kam, war zwar anders, aber nicht unbedingt besser. Statt der Parteikader bestimmten nun die die neuen Herren aus dem Westen im Polizeiapparat. Die Einheimischen fühlten sich als Bürger 2. Klasse behandelt, die anfänglich geschürten Erwartungen von den „blühenden Landschaften“ wurden bitter enttäuscht. In seinem Krimi-Debüt „Aktion Störtebeker“ hat der Autor Klaus Scheld in die spannende Handlung auch eine Auseinandersetzung zwischen dem norddeutschen Sturkopf Bratfisch und den „Besserwessis“ vom Bundeskriminalamt gepackt. Die Story: Mitten im Wahlkreis der deutschen Bundeskanzlerin wollen Terroristen das jüngste Wahrzeichen der Ostsee-Insel – die neue Rügenbrücke – in Schutt und Asche legen. Für Kommissar Bratfisch beginnt ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit.
Gleichzeitig muss er zusammen mit seiner Kollegin Mandy Thi Pham auch noch einen Mordfall aufklären. Bei dem Toten, der am Strand von Göhren auf Rügen gefunden wurde, handelt es sich um Helmut Melz, der als Ausbilder von ausländischen Partisanen an der Offiziershochschule der Nationalen Volksarmee der DDR in Prora tätig war. Die beiden Kriminalisten suchen zunächst im privaten Umfeld des Ermordeten nach dem Täter, stoßen aber schnell auf Spuren aus dessen geheimer DDR-Vergangenheit. Als sie die Verbindung zwischen dem Mord und dem geplanten Terroranschlag auf die Rügenbrücke entdecken, ist der Konflikt der sturen Insulaner mit den Antiterror-Experten des Bundeskriminalamts unvermeidlich. Denn die haben ihre eigene Theorie zu den Tätern. Die Meinung des erfahrenen Kriminalisten Bratfisch wird dabei nicht ernst genommen.
Klaus Scheld verbindet in „Aktion Störtebeker“ Elemente eines Regionalkrimis, der auf Deutschlands größter Insel spielt, mit einer brandaktuellen Thrillerhandlung und dem Ausflug in die DDR-Vergangenheit. Er beschreibt sehr genau, wie sich heute – 20 Jahre nach dem Mauerfall – nicht wenige Menschen in den neuen Bundesländern fühlen. Auch wenn sie materiell abgesichert sind, ein neues Auto besitzen und in alle Welt reisen können, vermissen sie den Zusammenhalt der Menschen und beklagen die wachsende Ungerechtigkeit in diesem Land.
Klaus Scheld (54), der als Wolfgang Müller in Hessen geboren wurde und als freier Journalist arbeitet, hat für sein Krimi-Debüt umfassend recherchiert und mit vielen Menschen auf Rügen gesprochen. Auch aus den Archiven holte er manch neue Tatsache ans Tageslicht. Das gilt auch für sein Pseudonym, dessen Namen er von einem heute weithin unbekannten Wegbegleiter Klaus Störtebekers übernommen hat. Die Entstehung des Politthrillers wird seit vergangenem Jahr im Online-Arbeitsjournal www.aktion-stoertebeker.de begleitet. Und auch der fiktive Kommissar Bratfisch hat seit einigen Wochen unter http://linkeblogs.de/stoerti/ ein eigenes Weblog, in dem er aus der Polizeiarbeit berichtet.
Titelinformation:
Klaus Scheld: Aktion Störtebeker, BOD, Paperback, 200 Seiten, ISBN 978-3-83911-524-4 13,90 €
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